Atmo

Atmo (auch Ambience oder Ambi) gehört in der klassischen Filmproduktion zum Geräuschband. Atmo besteht aus diegetischen Klängen, die nicht mit dem Bildinhalt synchronisiert sind, aber den Ort der Handlung charakterisieren. Sie schaffen einen Raumeindruck und geben damit Hinweise auf ein Ganzes, das nicht vollständig zu sehen ist.

Der Übergang von einer Atmo zu Filmmusik soll den Zuschauern oft den Übergang von einer Aussen- zu einer gemeinsam erlebten Innenwelt signalisieren, wie es häufig im Melodram der Fall ist.

Atmo muss nicht dokumentarisch sein. Gerade in Dokumentarfilmen wird Atmo oft künstlerisch gestaltet. Durch die verbesserte Tonqualität seit dem Ende des 20. Jahrhunderts, die Musique concrète und die Entwicklung des Sounddesigns können subtile Übergangsformen zwischen Geräusch, atmosphärischen Klängen und Filmmusik geschaffen werden. In der Stummfilmzeit musste eine realistische Atmo durch musikalisches Lokalkolorit vertreten werden. In der frühen Tonfilmzeit genügte die Tonqualität noch nicht für eine differenzierte Atmo, sodass eine musikalische Charakterisierung des Hintergrunds oft beibehalten wurde.

Schweizer Filmmusik

Eine Verbindung zwischen erlebter Aussenwelt und imaginierter Innenwelt ist das Thema, wenn Atmo und Filmmusik zusammenwirken. Arthur Honegger und Arthur Hoérée schufen bereits für Rapt (Dimitri Kirsanoff 1934) eine Gewitter-Atmo, die eine Überblendung von äusserlichem und innerlichem Aufruhr darstellt. Die malerische Anlage des Films und die noch beschränkte Tonqualität waren wohl dafür verantwortlich, dass im Vorspann von Franz Schnyders Heidi und Peter (1955) eine «Natur»-Atmo durch charakterisierende Filmmusiken von Robert Blum ersetzt wurde.

Ein Sonderfall der musikalisch gestalteten Atmo ist ein Chor von Menschenstimmen, der den Chor der Zuschauer als «gemeinsame Innenwelt» spiegelt. Dazu gehören Jim et Jo détectives (Jean Brocher 1943) mit einem Chor von Jean Binet oder L’inconnu de Shandigor (Jean-Louis Roy 1967) mit der Chormusik von Alphonse Roy, die beide auf eine realistische Atmo verzichten.

Das Aufstreben des Sounddesigns ermöglichte es auf neue Art, tontechnisch reproduzierte Aussenwelten durch imaginierte Innenwelten zu ergänzen oder zu ersetzen. Zu den bekanntesten Beispielen gehört hier die artifizielle Atmo von Höhenfeuer (Fredi M. Murer 1985), die Mario Beretta und Florian Eidenbenz gestalteten.

Marcel Vaid arbeitet etwa mit artifiziellen Atmos, bei denen sich Innen- und Aussenwelten nicht trennen lassen wie mit den Maschinenklängen in Goodnight Nobody (Jaqueline Zünd 2010). In More than Honey (Markus Imhoof 2012) wird ein «Chor von Bienenstimmen», komponiert von Peter Scherer, zu einer gemeinsamen Innenwelt mit den Zuschauern. (Autor: Mathias Spohr)

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